Digitalisierung der Rezesse niederdeutscher Städtetage
Die bisher digitalisierten Hanserezesse finden Sie frei zugänglich und im Volltext durchsuchbar online:
Die Bedeutung der Städtetage
Städtische Versammlungen, auch »Tagfahrten« genannt, waren im Mittelalter und in der
Frühen Neuzeit zentrale politische Ereignisse. Hier trafen sich die Vertreter der Städte, um
über gemeinsame Themen zu reden, Konflikte zu lösen und Beschlüsse zu fassen. Besonders
wichtig waren diese Versammlungen für die von niederdeutschen Kaufleuten dominierten
Städte – allen voran die Hansetage. Auf diesen Versammlungen wurden seit dem 14. bis ins
17. Jahrhundert Ergebnisprotokolle erstellt: die sogenannten Hanserezesse. Diese Dokumente
sind einzigartige Zeugnisse der städtischen Zusammenarbeit, des Handels und der politischen
Entscheidungsfindung und somit eine der wichtigsten Quellen für die Hanseforschung.
Die Quellen: Archivalische Überlieferung
Die Arbeit mit den Hanserezessen ist für Forschende problematisch, da diese nur bis 1537 ediert wurden und die Editionen zudem mittlerweile teils kritisch gesehen werden. Die digitalisierten Rezesseditionen sind auf der Website des Hansischen Geschichtsvereins zu finden, mitsamt quellenkritischen Literaturhinweisen.
Der Zugang zu den archivalischen Quellen wird zudem erschwert durch ihre große Zahl und dezentrale Überlieferung. Im Grunde sind Abschriften der Rezesse in Archiven aller Städte zu erwarten, die an den Tagfahrten teilgenommen haben. Über 130 deutsche und internationale Archive wurden bisher identifiziert, die Rezesshandschriften aufbewahren. Dabei hat allein das Archiv der Hansestadt Lübeck bereits über 100 dieser Dokumente. Neben den Rezessen der Allgemeinen Hansetage umfasst das Projekt auch weitere Versammlungen – von Regionaltagen bis hin zu spontan einberufenen Treffen.
Projektziele
Das Projekt zielt längerfristig darauf ab, alle Handschrifte der Hanserezesse zu digitalisieren, neu zu transkribieren und an einer zentralen Stelle digital zur Verfügung zu stellen. Dabei wird bewusst von einer neuen Edition der Rezesse abgesehen, um der sprachlichen und schriftbildlichen Vielfalt der Handschriften gerecht zu werden. Dafür wird mit der Software Transkribus gearbeitet, womit es möglich ist, Bild und Transkription zusammen abzubilden. Die fertig transkribierten Rezesse werden nach und nach auf unserer Transkribus Site »Rezesse niederdeutscher Städtetage« verfügbar gemacht.
Die Transkription der Texte erfolgt sowohl manuell durch die Mitarbeitenden der FGHO und die Citizen Scientists des Projekts »Hanse.Quellen.Lesen!«, als auch (halb-)automatisiert mittels eines Verfahrens der automatisierten Handschriftenerkennung (Handwritten Text Recognition – HTR). Hierbei spielen die im internationalen Forschungsprojekt »The Flow« entwickelte HTR-Modelle eine große Rolle, die sich wiederum zu einem großen Teil auf den von den Citizen Scientists erstellen Transkriptionen basieren.
Als Ausblick ist auch eine systematische Erfassung der Rezesse in einer Datenbank geplant, die ihren archivalischen und inhaltlichen Zusammenhang deutlich macht. Dabei entsteht ein Inventar der Rezesshandschriften und Tagfahrten, das mithilfe der modularen Datenbank nodegoat erstellt wird.