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  • Handel, Geld undPolitik 2024/25

Vortragsprogramm 2025/26

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  • Dienstag, 14. Oktober 2025:
    Dr. Esther Sahle (Freie Universität Berlin)
    Oberdeutsche Kaufmannslehrlinge in Europa im 16. Jahrhundert
    Der Vortrag schildet die Ergebnisse einer Analyse des Tucher Archivs, einer Sammlung von Kaufmannsbriefen aus dem Nürnberg des 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen dabei Funktion und Rolle der Kaufmannslehrlingsausbildung im vormodernen Handel. Sie zeigen, dass die kaufmännische Ausbildung in dieser Zeit ganz anders organisiert war, als bisher angenommen: Die Ausbildung junger Kaufleute war prekär – sie bestand aus einer Reihe von Kurzzeitverträgen bei verschiedenen Meistern an unterschiedlichen Orten in ganz Europa. Diese Form der Organisation erhöhte die Ausbildungskosten erheblich, da laufend neue Plätze recherchiert, verhandelt und finanziert werden mussten. Auch bestand für die Jungen jederzeit das Risiko, ihre Ausbildung nicht abschließen zu können. Dennoch diente sie einem wirtschaftlich rationalen Zweck: nicht nur wurden Lehrlinge zu Allroundern ausgebildet, was in einer Zeit besonders wichtig war, in der Kaufleute in der Lage sein mussten, neue Handelsrouten und aufstrebende Märkte zu erschließen. Sie ermöglichte es der Kaufmannschaft auch, potenzielle neue Mitglieder über einen längeren Zeitraum zu prüfen, bevor sie ihnen als Vertreter in fernen Märkten Güter und Kapital anvertrauten. Dies trug dazu bei, Netzwerke zu erweitern und die Handelsexpansion überhaupt erst zu ermöglichen.

  • Dienstag, 11. November 2025:
    Dr. Maximilian Marotz (SCHABBELL | Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar)
    Wie der Wein nach Wismar kam
    Das im Stadtarchiv der Hansestadt Wismar überlieferte Weinregister des Heinrich Schabbell dokumentiert für die Jahre 1568 bis 1571 den Ein- und Ausgang des Rheinweins im Ratsweinkeller. Die Auswertung dieser Quelle wird im Mittelpunkt des Vortrags stehen, denn dieses unscheinbare Notizheft ermöglicht spannende Einblicke in die Welt des späthansischen Weinhandels. Nachvollziehbar wird nicht nur der Weg des Weines vom Kölner Händler bis ins Wismarer Rathaus, sondern auch das Geflecht von uns heute größtenteils unbekannten Maßeinheiten und Umrechnungskursen.
    Die Quelle ermöglicht neben dieser makrohistorischen Perspektive auch intensive Einblicke auf der Mikroebene der Stadt und erläutert die verschiedensten Gewerke, die am Weinhandel beteiligt sind, die Arbeit des Schenkenhannes und der »bürokratisch« wirkenden zweijährigen Rechenschaftslyrik, die die Ratsweinherren ablegen müssen.

  • Dienstag, 9. Dezember 2025:
    Dipl.-Biol. Hans Christian Küchelmann (Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven)
    »berger, yslander, und hidlander vysch«. Zum hansischen Stockfischhandel
    »Men schall ock berger, yslander, und hidlander vysch, elcken under synen namen unde vor syne werde, vorkopen«. (»Man soll auch Bergener, Isländer und Shetländer Fisch, jeden unter seinem Namen und nach seinem Wert, verkaufen«.) In diesem Vortrag wird die Entwicklung der Stockfischproduktion und des Stockfischhandels von seinen Anfängen im Norden Norwegens bis zur Entwicklung eines europaweiten Handelsnetzes und der Versorgung großer Bevölkerungsgruppen mit Proteinen betrachtet. Der Fokus liegt auf dem hansischen Handel, der anhand historischer Dokumente und archäozoologischer Fischknochenfunde untersucht wird.

  • Dienstag, 13. Januar 2026:
    Dr. Henning Steinführer (Stadtarchiv Braunschweig)
    Von merswin bis senepp. Der Braunschweiger Handel um 1500 im Spiegel von Hermann Botes Zollbuch
    Der bekannte Braunschweiger Zollschreiber und Chronist Hermann Bote (um 1450 bis um 1520) hat mit dem sogenannten Zollbuch eine Quelle hinterlassen, die tiefe Einblicke in die Handelspraxis des späten Mittelalters erlaubt. Im Rahmen des Vortrags werden am Beispiel der Hansestadt Braunschweig Handelswege und -waren sowie Fragen der Marktorganisation in den Blick genommen.

  • Dienstag, 10. Februar 2026:
    Dr. Cristina Sasse (Leipzig)
    Finden und gefunden werden. Die Bedeutung von Adressbüchern für Kommunikation und Handel (1670–1830)
    Dieser Vortrag musste leider ausfallen. Er wird am 10. November 2026 nachgeholt.
    Ab dem späten 17. Jahrhundert entstanden vielerorts in Europa Adressbücher – gedruckte Personenverzeichnisse, die Namen, Berufe und Adressen miteinander verknüpften. In ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen erfreuten sie sich knapp drei Jahrhunderte lang großer Beliebtheit. Ihr Kern- und Ursprungselement waren listenartige Aufstellungen über die Händler, Handwerker, Dienstleister und Beamten einer Stadt oder Region. Hinzu kamen später auch größere Teile der Einwohnerschaft. Während Adressbücher in manchen Territorien vorwiegend Funktionen der Repräsentation und der obrigkeitlichen Kontrolle erfüllen sollten, kam ihnen insbesondere in England eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben zu. Denn die in ihnen enthaltenen Information erlaubten es, Geschäftsbeziehungen anzubahnen und aufrechtzuerhalten, potenzielle Kunden bzw. Verkäufer zu identifizieren, Kreditwürdigkeit einzuschätzen, Infrastrukturen zu überblicken und Wege zu planen. Darüber hinaus dienten sie oft auch als Reiseführer und Unterhaltungsmedium.
    Der Vortrag wird einen Überblick über Adressbücher als gesamteuropäisches Phänomen geben und dann am Beispiel verschiedener englischer ›directories‹ aus der Zeit zwischen 1670 und 1830 aufzeigen, wie diese Bücher als Wissens- und Orientierungsmedien funktionierten und genutzt wurden. 

  • Dienstag, 10. März 2026:
    Dr. Verena Weller (Universität Genua / Universität Mannheim)
    Frauen im Kreditwesen des mittelalterlichen Montpellier: Zwischen Schulden, Selbstständigkeit und der ökonomischen Realität im Spiegel der Notariatsregister (1293–1348)
    Frauen als Kreditgeberinnen und Schuldnerinnen sind erst seit Kurzem ein zentrales Thema der Gender- und Mittelalterforschung. In den letzten 25 Jahren wurden vor allem inoffizielle Transaktionen und kleine finanzielle Vorgänge von Schuldnerinnen und Gläubigerinnen im Kleinkreditsektor für die Wirtschaftsgeschichte interessant.
    Der Vortrag rückt diese »gewöhnlichen« Frauen in den Fokus, die im spätmittelalterlichen Montpellier als Gläubigerinnen, Schuldnerinnen oder Bürginnen wirtschaftlich agierten. Grundlage der Untersuchung sind die Notariatsregister der Stadt aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert – serielle Quellen, die Einblicke in die ökonomische Lebenswirklichkeit vor- moderner Gesellschaften erlauben.
    Anhand konkreter Fallbeispiele und quantitativer Auswertungen zeigt der Vortrag, dass Frauen trotz formaler Einschränkungen regelmäßig am Kreditwesen beteiligt waren. Die Analyse macht deutlich: Rechtliche Norm und gelebte Praxis gingen dabei oft deutlich auseinander.